eMobility Insights - der Podcast von electriveWie viel Revolution steckt noch im Elektromotor?

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Sind deutsche Ingenieure bei elektrischen Antrieben technologisch besser als die Chinesen? Und wie viel Innovationspotenzial steckt überhaupt noch im Elektromotor? Darüber spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz in dieser Folge mit Dr. Christoph Sasse, Leiter der Vorentwicklung elektrifizierter Antriebstechnologien beim Automobilzulieferer ZF.

Während China bei Elektroautos mit hohen Stückzahlen, kurzen Entwicklungszyklen und niedrigen Kosten punktet, sieht Dr. Christoph Sasse deutsche Unternehmen bei wichtigen Antriebstechnologien weiterhin in einer starken Position. Insbesondere bei Elektromotoren und Getrieben müssten sich heimische Ingenieure keineswegs verstecken. Gleichzeitig räumt er ein, dass chinesische Hersteller bei der Industrialisierung und Skalierung erhebliche Vorteile haben.

Vor allem aber widerspricht Sasse einer verbreiteten Annahme: Der elektrische Antrieb sei technisch längst ausentwickelt. Tatsächlich gebe es noch enorme Verbesserungspotenziale – und dafür brauche es nicht unbedingt völlig neue Motorkonzepte.

Wie groß diese Potenziale sind, will ZF mit seinem neuen High Revolution Drive demonstrieren. Der elektrische Antrieb arbeitet mit bis zu 30.000 Umdrehungen pro Minute und soll gegenüber vergleichbaren heutigen Systemen rund 25 Prozent Gewicht, etwa ein Viertel Bauraum und 13 Prozent Kosten einsparen. Auch der Bedarf an Magnetmaterial soll sich halbieren. Das Besondere: ZF setzt dabei weitgehend auf bewährte Technologien.

Doch hohe Drehzahlen bringen Herausforderungen bei Geräuschentwicklung, Effizienz und mechanischer Belastung mit sich. Sasse erklärt, wie ZF diese Zielkonflikte lösen will, welche Ergebnisse Prüfstand und Versuchsfahrzeug bereits liefern und warum bei den Autoherstellern derzeit vor allem eines zählt: „Prio eins Kosten, Prio zwei Kosten.“

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zukunft des sogenannten Dual Drive: Zwei unabhängig geregelte Elektromotoren an einer Achse könnten künftig nicht nur leistungsstarken Sportwagen vorbehalten bleiben. ZF will diese Technologie kompakter und wirtschaftlicher machen. Neben besserer Fahrdynamik verspricht sich Sasse davon Vorteile bei Traktion, Fahrstabilität, Offroad-Funktionen und Rekuperation. Langfristig denkt er sogar darüber nach, welche Aufgaben mechanischer Bremsen elektrische Antriebe übernehmen könnten.

Zum Abschluss geht es um die Zukunft der deutschen Zulieferindustrie: Wie kann ZF gegenüber chinesischen Wettbewerbern bestehen? Welche Rolle spielen komplette Antriebssysteme und einzelne Komponenten? Und wie werden elektrische Antriebe in fünf Jahren aussehen?

Eine Folge über Ingenieurskunst, Kostendruck, den Wettbewerb mit China – und die überraschende Erkenntnis, dass der Elektromotor noch lange nicht fertig entwickelt ist. Viel Spaß beim Hören!

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