Die Fernstraßen und Garagen sind weitgehend erschlossen – aber wo laden künftig all jene, die zu Hause keine eigene Wallbox haben? Supermärkte, Drogerien und Einkaufszentren könnten zu einem entscheidenden Baustein der nächsten Phase der Elektromobilität werden. Doch gerade dort wird der Netzanschluss immer häufiger zum Flaschenhals.
Darüber spricht electrive-Chefredakteur Peter Schwierz in dieser Folge von eMobility Insights mit Kerstin Schmidt, die den internationalen Vertrieb bei ADS-TEC Energy leitet und seit fast zehn Jahren in der Elektromobilität arbeitet. Für sie beginnt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur jetzt die schwierigere Phase: „Ich glaube, am Anfang kommt immer das, was einfach und leicht zu lösen ist. Und jetzt kommt die Herausforderung!“
Gerade der Handel spielt dabei eine zentrale Rolle. Supermärkte, Drogerien und Einkaufszentren liegen mitten im Alltag der Menschen – und die Standzeit beim Einkauf passt gut zum Schnellladen. Schmidt sieht darin besonders für Menschen ohne eigene Lademöglichkeit eine große Chance. Denn anstatt eigens einen Ladepark anzusteuern, lässt sich das Laden einfach mit dem Einkauf verbinden.
Doch an vielen Standorten stößt der Ausbau an eine harte Grenze: den Netzanschluss. „Das ist definitiv einer der größten Flaschenhälse“, sagt Schmidt. Oft sei die notwendige Netzleistung im Einzelhandel nicht vorhanden, der Ausbau dauere lange oder verteuere einen Standort so stark, dass er wirtschaftlich unattraktiv werde.
Genau hier setzt ADS-TEC Energy mit batteriegepufferten Schnellladern an. Ein integrierter Speicher nimmt Energie über einen vergleichsweise kleinen Netzanschluss auf und stellt sie später mit hoher Leistung für das Laden der E-Fahrzeuge bereit. Schmidt nennt im Gespräch eine mögliche Kostenersparnis von rund 20 bis 25 Prozent gegenüber einer Lösung mit zusätzlichem Netzausbau – abhängig vom jeweiligen Standort. Hinzu kommen Erlös-Möglichkeiten durch PV-Integration, Energiemanagement und die Vermarktung digitaler Werbeflächen.
Doch die Folge dreht sich nicht nur um Technik und Geschäftsmodell. Eine zentrale Frage lautet: Wem gehört künftig eigentlich das Ladegeschäft auf dem Handelsparkplatz? Überlässt der Retailer den Standort einem CPO – oder investiert er selbst und behält damit Einfluss auf Ladepreise und Kundenbindung? Schmidt mahnt: „Gebt es nicht ohne nachzudenken aus der Hand. Ich glaube schon, dass es langfristig ein gutes Geschäft ist.“
Wie unterschiedlich die Rollen verteilt sein können, zeigt das Beispiel der Drogeriekette Müller: Gemeinsam mit dem Energieversorger MVV wurden laut Schmidt 27 Standorte mit insgesamt 39 Ladepunkten ausgerüstet. MVV übernimmt dabei die CPO-Rolle, ADS-TEC Energy liefert die Ladetechnik und kümmert sich um die Vermarktung der Displays.
Für Kerstin Schmidt gehört Schnellladen im Handel deshalb zu den wichtigen Lösungen für die nächste Ausbauphase: „Für mich ist das die charmanteste Art und Weise, das Thema Laden in Städten für Nicht-zu-Hause-Lader zu lösen.“
Eine Folge über volle Netze, neue Geschäftsmodelle und die Frage, warum der Parkplatz vor dem Supermarkt zu einem der wichtigsten Ladeorte der Zukunft werden könnte. Viel Spaß beim Hören!